Insekten essen – alles, was Du über Entomophagie wissen musst

Rund 2 Milliarden Menschen vor allem in Afrika, Asien, Südamerika und Australien, also mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung, essen regelmäßig Insekten. Hierzulande hat die Entomophagie, wie der Verzehr von Speiseinsekten genannt wird, noch mit Ressentiments zu kämpfen. Der Trend ist klar: Lebensmittel wie Fleisch werden immer teurer, alternative Proteine wie essbare Insekten zunehmend erschwinglicher. Mittel- bis langfristig werden wohl auch wir Insekten essen. Hier erfährst Du, was Du zum Thema Insekten essen wissen musst.

Autor:  Bastian
Artikel teilen:

Alle Infos auf einen Blick:

  • Bislang sind in der Europäischen Union vier Insekten-Arten als Lebensmittel zugelassen: Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer und Buffalowürmer.
  • Insekten enthalten jede Menge Protein mit vollständigem Aminosäurenprofil, gesunde Fette, keinen Zucker und verschiedene Mikronährstoffe. 
  • Die Insektenzucht ist wesentlich nachhaltiger als die konventionelle Nutztierhaltung: weniger Emissionen, weniger Wasserverbrauch, geringerer Futterbedarf und geringerer Flächenverbrauch. 
  • Insekten gehören wie Garnelen, Langusten und Hummer zur Familie der Gliederfüßer und weisen einen ähnlichen, leicht nussigen Geschmack auf. 
  • Wenn du mit einer Schalentier-Allergie zu kämpfen hast, solltest du vor dem Verzehr von Insekten mit einem Arzt sprechen.

Insekten essen: Geschichte

Wer das Essen von Insekten für einen neumodischen Trend hält, könnte falscher nicht liegen. Lange bevor der Mensch seine Nahrung aus Ackerbau und Viehzucht bezog, noch zu Zeiten der Jäger und Sammler, waren Insekten Bestandteil der Ernährung. Auch in der Antike standen Insekten auf der Speisekarte. Beweise dafür erbrachten Analysen von versteinertem Kot und auch die Literatur. Aristoteles etwa schreibt in „Historia Animalium“ von Zikaden, die bei den alten Griechen den Status einer Delikatesse innehatten. Die Römer:innen nahmen Cossus zu sich, ein Gericht, dessen Hauptbestandteil die Larven des Bockkäfers waren. Und auch im alten China wurden Insekten gegessen. In seinem Buch „Compendium of Materia Medica“ zählt Li Shizhen Insekten auf, die sich als Lebensmittel eignen und einen medizinischen Nutzen aufweisen.

Welche Insekten kann man essen?

Insekten zeichnen sich durch eine enorme Artenvielfalt aus. Das gilt auch für die essbaren Insekten. Mehr als 200 verschiedene Arten gelten als für den Verzehr geeignet. Dazu zählen beispielsweise:

  • Käfer
  • Raupen
  • Bienen
  • Wespen
  • Ameisen
  • Heuschrecken
  • Grillen
  • Mehlwürmer
  • Buffalowürmer
 

Welche Insekten sind in der EU für den Verzehr zugelassen?

Nicht alle essbaren Insekten sind am Markt erhältlich – das gilt zumindest für die Europäische Union (EU). Denn gemäß der Verordnung der Europäischen Kommission über neuartige Lebensmittel, die sogenannte Novel Food Verordnung, dürfen nur bestimmte Insekten als Lebensmittel verzehrt werden. Den Status als „sichere neuartige Lebensmittel“ tragen bisher:

 

Die erste Zulassung eines Insekts zum Verzehr durch die EU erhielten gelbe Mehlwürmer, die die Larvenstadien des Mehlkäfers (Tenebrio molitor), im Juni 2021. Im November 2021 folgte die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) im Februar 2022 die Hausgrille (Acheta domesticus) und im Januar 2023 schließlich die Larven des Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus), auch als Buffalowürmer bekannt.

Diese Insektenarten wurden ausgiebig auf ihren Nährwert und ihren potenziellen Nutzen für die ökologische Nachhaltigkeit hin untersucht. Sie gelten als unbedenklich für den menschlichen Verzehr, solange sie unter hygienischen Bedingungen und frei von Verunreinigungen aufgezogen werden.

Darüber hinaus müssen alle Produkte, die Insektenbestandteile enthalten, die EU-Kennzeichnungsvorschriften für Lebensmittel erfüllen. Dazu gehören Informationen über Allergene, Nährwerte, Produktionsmethoden, die Herkunft der Insekten und andere relevante Informationen.

Insekten essen: So gesund ist Entomophagie

Insekten haftet ein eher unappetitliches Image an. Nicht ganz zu Unrecht, sofern es sich um Insekten aus freier Wildbahn handelt – schließlich weiß man nie, wo sich die Tiere zuletzt aufgehalten beziehungsweise was sie gefressen haben. Bei Insekten aus kontrollierter Aufzucht sind Bedenken dahingehend unbegründet. Ganz im Gegenteil. Insekten bieten zahlreiche gesundheitliche Vorteile.

Hoher Proteingehalt

Auch wenn dieser Aspekt für alle Menschen relevant ist – überzeugen wird er wohl in erster Linie Sportler:innen: Insekten zeichnen sich durch einen sehr hohen Proteingehalt aus. Je nach Art liegt der Eiweißanteil am Trockengewicht bei zwischen 35 und 60 Prozent. Damit bringen es einige Insektenarten wie Grillen und Heuschrecken nicht nur auf einen höheren Proteingehalt als pflanzliche Proteinquellen sondern auch als Fleisch und Hühnereier. Einer Studie dänischer Forscher zufolge handelt es sich bei Insektenprotein um langsam verdauliches Eiweiß, das wohl am ehesten mit der Wirkungsweise von Casein zu vergleichen ist.

 

Welche Produkte wir für Sportler:innen empfehlen würden, fragst Du? Als Snacks zwischendurch bieten sich Insektenprotein Pulver oder Insektenprotein Riegel an. Wenn Du dagegen auf der Suche nach einer vollwertigen Mahlzeit bist, solltest Du die Insektennudeln von Beneto Foods probieren. 40 Gramm Eiweiß auf 100 Gramm!

Vorteilhaftes Fettsäurenprofil

Fette sind nicht automatisch schlecht für Dich. Es kommt darauf an, um welche Art von Fettsäuren es sich handelt. Die Faustregel: gesättigte Fettsäuren sind böse, ungesättigte Fettsäuren sind gut. Insekten enthalten je nach Art üblicherweise deutlich mehr ungesättigte als gesättigte Fettsäuren und weisen somit ein vorteilhaftes Fettsäuren-Profil auf.

Zahlreiche Mikronährstoffe

Lebensmittel gelten als gesund, wenn sie Deinen Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgen. Dementsprechend lassen sich Insekten getrost als gesund bezeichnen . Denn Insekten enthalten zahlreiche Vitamine, darunter Vitamin B1, B2, B6, C, D, E und K, und Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Kalzium, Kupfer, Phosphor, Magnesium, Mangan sowie Karotin.

Verbesserung der Verdauung

Insekten können die Magen-Darm-Funktionen verbessern und vor Durchfall schützen, selbst wenn die Einnahme nur über einen kurzen Zeitraum erfolgt. Das hat eine Studie von Dr. Valerie Stull, Forscherin an der University of Wisconsin-Madison, gezeigt. Verantwortlich dafür ist der hohe Gehalt an Ballaststoffen aus dem Chitin, aus dem das Exoskelett der Insekten besteht. Und auch als Präbiotikum, also als Nährstoff für nützliche Darmbakterien, scheint Insektenpulver dieser Studie zufolge geeignet zu sein.

Allergene

Kleiner Wermutstropfen: Wer mit einer Krustentier-Allergie zu kämpfen hat, für den sind wohl auch Insekten eher ungeeignet. Schließlich gehören Insekten zur biologischen Familie der Arthropoden – genauso wie die Krustentiere. Lösen Garnelen, Langusten, Hummer & Co. bei Dir allergische Reaktionen aus, so hältst Du am besten Rücksprache mit einer ärztlichen Fachperson, bevor Du Insekten zu Dir nimmst.

Insekten essen: So nachhaltig ist Entomophagie

Dass Insekten eine nachhaltige Proteinquelle sind, hast Du bestimmt schonmal gehört. Und zwar, weil es stimmt. Insekten sind in jeder Hinsicht besser für Klima und Umwelt als Fleisch aus Nutztierhaltung. Warum, das zeigen wir Dir im Folgenden.

 

Weniger Emissionen

Wenn es um Klimaschutz geht, sind CO2-Emissionen die entscheidende Währung. Hier schneiden Insekten im Vergleich zu Fleisch aus Nutztierhaltung besser ab. Deutlich besser. Die niederländischen Forscherinnen De Vries und De Boer haben mit einer Studie im Jahr 2010 gezeigt, dass die konventionelle Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch bis zu 32 Kilogramm CO2-Äquivalente verursacht. Im Vergleich dazu entsteht bei der Erzeugung eines Kilogramms Insektenmehl lediglich ein Zehntel der Emissionen.

Weniger Futterverbrauch

Die Insektenzucht verschlingt deutlich weniger Futter als die Nutztierhaltung. Zum einen, weil Insekten Kaltblüter sind und damit deutlich weniger Energie benötigen, um ihre lebenserhaltenden Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Zum anderen, weil sich rund 80 Prozent der Körpermasse der Insekten zur Lebensmittelproduktion verwenden lassen. Zum Vergleich: Leidglich 40 Prozent eines Rindes eignen sich für den menschlichen Verzehr. Grillen bringen es so auf eine um den Faktor 10 bessere Futterverwertungseffizienz als Rinder, Buffalowürmer sogar um den Faktor 12.

Diese Effizienz ist nicht nur mit Blick auf Emissionen durch Futtermitteltransporte und die Abholzung des Regenwaldes zur Erschließung neuer Anbauflächen, sondern auch hinsichtlich des Welthungers relevant. Denn je weniger Anbauflächen zur Futtermittelproduktion verwendet werden, desto mehr stehen für den Anbau pflanzlicher Lebensmittel zur Verfügung. Und je mehr Lebensmittel, desto weniger Hunger – so zumindest die Hoffnung.

Weniger Wasserverbrauch

Schon jetzt haben Menschen in einigen Regionen der Welt keinen Zugang zu sauberem Wasser. Und überhaupt wird Wasser zunehmend zu einem knappen Gut. Vor diesem Hintergrund ist der Wasserbedarf, der Hochrechnungen zufolge in der Rinderzucht entsteht, gelinde gesagt moralisch fragwürdig. Inklusive Futtermittelerzeugung und Trinkwasser für die Tiere 20.000 Liter Wasser zur Herstellung eines Kilogramms Körpermasse. Auch dahingehend schneiden Insekten deutlich besser ab, denn bei der Insektenzucht fällt der Wasserbedarf um den Faktor 2000 geringer aus.

Weniger Flächenbedarf

Die Insektenzucht ist um ein Vielfaches effizienter als die Nutztierhaltung. Das spiegelt sich auch im zugrundeliegenden Flächenbedarf wider. Ganze 70 Prozent aller weltweit verfügbaren Ackerflächen entfallen zugunsten von Futtermittelproduktion und Weidehaltung auf die konventionelle Fleischerzeugung. Ackerflächen, die sich stattdessen für den Anbau pflanzlicher Lebensmittel verwenden ließen.

Die Insektenzucht bietet im Vergleich zur Nutztierhaltung gleich zwei Vorteile. Zum einen eine um ein Vielfaches bessere Futterverwertungseffizienz – das heißt, für ein Kilogramm Körpermasse benötigen Insekten nur einen Bruchteil der Futtermenge, die für ein Rind erforderlich wäre. Somit braucht es für die gleiche Menge an Insektenprotein deutlich weniger Ackerflächen.

Zum anderen setzen viele Insektenzüchter:innen auf vertical farming. Statt sich bei der Zucht, wie im Rinderstall, auf eine Ebene zu beschränken, findet die Insektenzucht auf mehreren Ebenen statt. So lässt sich die Nutzfläche drastisch reduzieren.

Insekten essen: So schmecken Grillen & Co.

Insekten zählen wie auch Garnelen, Langusten und Hummer zur Familie der Gliederfüßer. Und ähnlich wie diese drei Meeresbewohner weisen auch Insekten einen leicht nussigen Geschmack auf. Wenn Du Dich für Lebensmittel auf Basis von Insektenmehl entscheidest, wirst Du vom Eigengeschmack der Insekten allerdings wenig bis gar nichts bemerken. Denn in der Regel ist Insektenmehl bei fertigen Produkten nur eine von vielen Zutaten. Schmecken wirst Du in erster Linie die verwendeten Gewürze. Das zugesetzte Insektenmehl ist vornehmlich dazu da, Dich mit Proteinen und wertvollen Mikronährstoffen zu versorgen.

 

Insekten essen: So teuer ist Entomophagie

Noch ist es billiger, Fleisch zu essen, als Insekten zu essen. Zumindest im Vergleich zu Fleisch aus Massentierhaltung.

Zum einen aufgrund der Tatsache, dass sich die Tierwirtschaft in Deutschland üppiger Subventionen erfreut. Mehr als 13 Milliarden Euro (Stand 2021) fließen jedes Jahr in die Nutztierhaltung – über direkte Subventionen, Steuererleichterungen, staatliche Dienst- und Beratungsleistungen sowie staatliche Sozialleistungen. Zum anderen, weil die Entomophagie hierzulande noch am Anfang ihrer Entwicklung steht. Die Hersteller:innen arbeiten daran, ihre Produktionskapazitäten zu vergrößern und somit die Produktionskosten zu verringern. Die Kosten für Produkte auf Insektenbasis werden also sukzessive sinken.

Ablesen lässt sich dieser Trend beispielsweise anhand der Preisentwicklung für 200 Gramm Insektennudeln von Beneto Foods: Bei Markteintritt im Mai 2019 hatte die 200-Gramm-Packung Insektennudeln noch 9,50 Euro gekostet, nur gut ein halbes Jahr später nur noch 8,50 Euro. Mittlerweile, dank einer Erhöhung der Produktionskapazitäten um 1200 Prozent liegt der Preis bei 5,60 Euro (Stand Juli 2022). Das entspricht einer Reduktion von mehr als 40 Prozent innerhalb von nur drei Jahren. Und je mehr Menschen sich dazu entscheiden, Insekten zu essen, desto größer wird die Beschleunigung sein, die diese Entwicklung erfährt.

Insektenzucht

Zuchtanlagen

Insekten werden in speziellen Zuchtanlagen gezüchtet. Dabei handelt es sich in der Regel um größere, von der Außenwelt abgeschnittene Hallen, in denen die für Insekten optimalen klimatischen Bedingungen herrschen. Die Insekten wachsen dort üblicherweise in übereinander gestapelten Boxen auf, das sogenannte vertical farming.

 

Fütterung

Zu Beginn der Aufzucht, in den ersten beiden Wochen, wird üblicherweise spezielles Insektenfutter eingesetzt. Dabei handelt es sich um proteinreiches Konzentrat, welches das Wachstum der Insekten begünstigt. In den folgenden beiden Wochen bekommen die Tiere Nahrung aus Nebenströmen der Lebensmittelproduktion, darunter Gemüse und Obst, das nicht in den Supermärkten landet, oder Weizenkleie, die bei der Getreideverarbeitung anfällt.

Ernte

Die Ernte der Tiere läuft vergleichsweise human ab. Dabei macht man sich den Umstand zunutze, dass Insekten wechselwarm sind. Das heißt, sie passen ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur an. Senkt man die Umgebungstemperatur auf unter 21° Celsius ab, so verfallen die Tiere in eine Art Winterstarre und schalten sämtliche Funktionen des Organismus ab. In diesem Zustand werden die Insekten dann gereinigt, gefriergetrocknet und schließlich je nach Produkt weiterverarbeitet.

Insekten essen – Kritik

Um die vermeintlichen Nachteile der Entomophagie zu beleuchten haben wir uns angesehen, was kritische Stimmen zum Thema Insekten essen sagen. Im Folgenden findest du Kritikpunkte am Insekten essen sowie eine Einordnung unsererseits dazu.

Insekten fühlen Schmerzen

Immer wieder liest man, dass Insekten Schmerzen empfinden. Sie sollen bei extremer Hitze, Kälte oder bei körperliche Qualen genauso reagieren wie der Mensch. Auch chronische Schmerzen sollen Insekten demnach empfinden können. Solche, die auch dann noch anhalten, wenn eine Verletzung bereits ausgeheilt ist.

Unsere Einordnung

Die oben getroffenen Aussagen treffen nicht auf alle Insekten zu. Bewiesen ist ein solches Schmerzempfinden lediglich bei Fruchtfliegen. Üblicherweise haben Insekten – mit Ausnahme der Fruchtfliege – keine sogenannten Nozizeptoren, also für Schmerzempfinden verantwortliche Rezeptoren. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass auch andere Insektenarten Schmerzen empfinden. Der Beweis steht aber noch aus.

 

Insekten essen erfordert Massentierhaltung

Die Insektenzucht wird immer wieder dem Begriff Massentierhaltung in Verbindung gebracht. Die Tiere würden „ohne Notwendigkeit ausgebeutet und getötet“. Zudem wird das Fehlen von Haltungsvorschriften, Regelungen zum Einsatz von Antibiotika und Fungiziden sowie zur Tötung der Tiere kritisiert.

Unsere Einordnung

Insekten werden alleine schon deshalb in „Massen“ gezüchtet, weil es im Vergleich zur herkömmlichen Nutztierhaltung, die sich auf wesentlich größere Tiere konzentriert, deutlich mehr Tierchen braucht, um dieselbe Menge an Output zu erreichen. Im Unterschied zu Rindern leben Insekten auch in freier Wildbahn auf engstem Raum – freiwillig.

Die Tatsache, dass Vorschriften zur Haltung sowie zum Einsatz von Antibiotika fehlen, bedeutet nicht, dass die Haltung zum Nachteil der Tiere erfolgt oder solche Substanzen zum Einsatz kommen. Wenn Du bei Anbietern einkaufst, denen das Tierwohl wichtig ist, bist auf der sicheren Seite. Etwa bei uns.

Und in Sachen Tötung. Daran führt kein Weg vorbei. Anders als Tötungsmethoden in der konventionellen Nutztierhaltung geht die Ernte von Insekten jedoch vergleichsweise human vonstatten. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel „Wie wird Insektenprotein hergestellt?“

Zucht und Verzehr von Insekten bergen Krankheitsrisiko

Insekten werden auf engstem Raum gezüchtet und sollen deshalb anfällig für Krankheiten und den Befall durch Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten sein. Auch ein Zoonose- und damit ein Pandemierisiko soll die Insektenzucht bergen, so die Kritik.

Unsere Einordnung

Insekten aus freier Wildbahn können durchaus als Überträger von Krankheiten fungieren. Bei Insekten aus kontrollierter Aufzucht ist das Risiko dagegen verschwindend gering, da es sich bei den Zuchtanlagen um in sich geschlossene, sterile Systeme handelt. Obendrein würden wohl die wenigsten Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten den Verarbeitungsprozess überstehen, den die Insekten im Anschluss an die Ernte durchlaufen. Und: Die 4 in der Europäischen Union zum Verzehr zugelassenen Arten – Grillen, Heuschrecken, Mehlwürmer und Buffalowürmer  - sind allesamt keine Träger von Zoonosekrankheiten. Auch dahingehend besteht also keine Gefahr!

 

Insekten essen birgt Allergie-Risiko

Kritiker bemängeln, dass die Entomophagie das Risiko von allergischen Reaktionen birgt, und raten deshalb vom Insekten essen ab.

Unsere Einordnung

Stimmt. Menschen, die gegen Schalentiere wie beispielsweise Garnelen oder Hummer allergisch sind, sollten beim Verzehr von Insekten Vorsicht walten lassen. Bei Betroffenen können Insekten tatsächlich allergische Reaktionen hervorrufen. Auch wenn Du gegen Bienen- und Wespenstiche oder Hausmilben allergisch bist, solltest Du dich vor dem Insekten essen absichern und mit einem Arzt Rücksprache halten.

Deshalb aber vom Verzehr von Insekten generell abzuraten, macht aus unserer Sicht wenig Sinn. Wir empfehlen ja auch nicht der gesamten Menschheit auf Nüsse zu verzichten, nur weil einige Menschen mit einer Nuss-Allergie zu kämpfen haben.

Insekten essen verschwendet weiterhin Ressourcen

Entomophagie-Kritiker bemängeln, dass die Insektenzucht im Vergleich zur Erzeugung pflanzlicher Proteine ineffizienter ist. Denn Insekten werden mit Pflanzen ernährt, die man theoretisch auch direkt dem Menschen zum Verzehr angedeihen lassen könnte. Insekten brauchen rund 2 Kilogramm Futter um 1 Kilogramm Körpermasse aufzubauen. Diese 2 Kilogramm direkt an Menschen zu verfüttern, würde Ressourcen sparen, so die Kritiker.

Unsere Einordnung

Hier machen es sich die Kritiker ein bisschen sehr einfach. Denn so effizient eine rein pflanzliche Ernährung auch sein mag – Insekten sind eine hochwertigere Proteinquelle. Denn im Gegensatz zu den meisten pflanzlichen Proteinquellen enthält Insektenprotein alle essenziellen Aminosäuren.

Hinzu kommt, dass Insekten um ein Vielfaches effizienter sind als konventionelle tierische Proteinquellen. Zum Vergleich: Rinder brauchen fast 20 Kilogramm Futter, um ein Kilogramm Körpermasse aufzubauen.

Und: Theoretisch lassen sich Insekten Nebenprodukten der Lebensmittelproduktion ernähren, etwa aus pflanzlichen Abfällen, die in Brauereien entstehen. Damit ist das Argument der Ressourcenverschwendung ohnehin entkräftet.

Insektenprodukte enthalten oft relativ wenig Eiweiß

Laut Kritikern sollen Produkte auf Insektenbasis oft weniger Eiweiß enthalten als erwartet. Demnach werde oft mit dem Satz „reich an Proteinen“ geworben, obwohl sie nicht einmal den gesetzlich vorgeschrieben Mindestgehalt an Eiweiß  enthalten, um sie als proteinreich bewerben zu dürfen

Unsere Einordnung

Dieser Kritikpunkt ist zwar nicht von der Hand zu weisen, beschränkt sich aber keineswegs nur Insekten-Produkte. Auch zahlreiche pflanzliche Produkte enthalten weniger Eiweiß als uns die Verpackung glauben lassen möchte. Dabei handelt es sich also keineswegs um einen fiesen Verkaufstrick, den sich Hersteller von Produkten auf Insektenbasis haben patentieren lassen.

Unser Tipp: Egal ob ein Produkt auf Insektenbasis, auf Basis anderer tierischer Proteine oder auf pflanzlicher Basis – wenn Dir der Proteingehalt wichtig ist, wirf einen Blick auf die Nährwerttabelle. Das schadet sowieso nie.

Das weltweite Insektensterben bedroht die Ökosysteme

Das Insektensterben bedroht unsere Ökosysteme. Gerade Wildbienen und Schmetterlinge gelten als die wichtigsten Bestäuber und sind somit auch für den Fortbestand der Menschheit essenziell. Insekten essen gefährde diese Tiere.

Unsere Einordnung

Insektensterben und Insekten essen haben hierzulande absolut gar nichts miteinander zu tun. Denn Speiseinsekten, die du innerhalb der EU kaufen kannst, stammen allesamt aus kontrollierter Zucht. Niemand läuft hierzulande mit einem Fangnetz durch die Gegend und fängt sich sein Abendessen. Zumindest kennen wir niemanden…

Schuld am Insektensterben sind unter anderem die industrielle Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden. Ein Problem, das sich auch mit vegetarischer oder veganer Ernährung nicht eliminieren lässt. 

Insekten essen – Fazit

Jetzt weißt du alles, was du rund um das Thema Insekten essen wissen musst. Wie Du siehst, hat die Entomophagie sehr viele Vorteile, bringt aber auch den ein oder anderen Nachteil mit sich. In der folgenden Tabelle haben wir die Pros & Contras noch einmal leicht verdaulich gegenübergestellt.

Insekten essen - Vor- und Nachteile
VorteileNachteile
extrem hoher Proteingehaltgeringfügig höhere CO2-Emissionen als pflanzliche Proteine
vollständiges Aminosäurenprofil im Gegensatz zu pflanzlichen Proteinenbei Schalentier-Allergie vermutlich nicht geeignet
reich an Vitaminen und Mineralstoffennoch geringere Produktvielfalt als bei Fleisch und pflanzlichen Proteinen
reich an Ballaststoffennoch vergleichsweise teurer als Fleisch oder pflanzliche Proteine
deutlich weniger CO2-Emissionen als Fleischmöglicherweise anfängliche Berührungsängste
geringerer Wasserbedarf als Fleisch
geringerer Flächenbedarf als Fleisch dank vertical farming
kein Antibiotika-Einsatz
geringeres Zoonose-Risiko als herkömmliche Tierzucht
kein Schmerzempfinden der Tiere
standortunabhängige Zucht

Eines ist klar: Insekten essen birgt deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Letztendlich kommt es aber darauf, an was Dir wichtig ist. Wenn Du Dich für Entomophagie entscheidest, weißt Du ja, wo Du Deine Speiseinsekten-Produkte herbekommst…

FAQs zum Thema Insekten essen

Warum ist es nachhaltiger, Insekten statt Fleisch zu essen?

Insekten zu essen ist aus mehreren Gründen nachhaltiger als Fleisch zu essen. Zum einen entstehen bei der Aufzucht von Insekten deutlich weniger Emissionen. Unter anderem, weil Insekten einen wesentlich niedrigeren Futterverbrauch an den Tag legen als beispielsweise Rinder. Hinzu kommt, dass sich Insekten zumindest theoretisch aus Abfällen der Lebensmittelindustrie ernähren lassen. Darüber hinaus verbrauchen Insekten viel weniger Wasser und lassen sich mittels vertical farming sehr platzsparend züchten.

Wie viele Menschen auf der Welt essen Insekten?

Einigen Schätzungen zufolge verzehren zwei Milliarden Menschen weltweit Insekten als Teil ihrer regelmäßigen Ernährung. In vielen Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sind Insekten-Lebensmittel seit Jahrhunderten eine Delikatesse und eine wichtige Eiweißquelle. Auch in Europa und Nordamerika werden Insekten immer beliebter, da sich die Menschen ihrer ernährungsphysiologischen Vorteile bewusstwerden. Insekten können einen hohen Gehalt an Kalzium, Vitaminen, Mineralien und Fettsäuren aufweisen, was sie zu einer gesunden Alternative zu herkömmlichen Proteinquellen wie Fleisch oder Fisch macht. In vielen Ländern werden Lebensmittel auf Insektenbasis in Supermärkten und Online-Shops angeboten, so dass Verbraucher:innen leichten Zugang zu diesen nahrhaften Snacks haben.

Warum Insekten essen, wo Pflanzen doch nachhaltiger sind?

Insekten sind die wohl mit Abstand nachhaltigste tierische Proteinquelle. Im Gegensatz zu pflanzlichen Proteinen sind tierische Proteine den menschlichen in Ihrer Zellstruktur sehr ähnlich. Das sorgt dafür, dass sie vom Körper besser aufgenommen werden können. Zudem liefern Insekten zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe, darunter das so wichtige Vitamin B12.

 

Dürfen Vegetarier:innen Insekten essen?

Da es sich bei Vegetarismus um eine selbstauferlegte Ernährungsform handelt, dürfen Vegetarier:innen selbstverständlich Insekten essen. Mit der Definition von Vegetarismus ist das Essen von Insekten allerdings nicht vereinbar. Letztendlich kommt es darauf an, aus welchen Gründen Du Dich für eine vegetarische Ernährung entschieden hast. Verzichtest Du aus Klimaschutz- oder Umweltschutzgründen auf Fleisch, so könnten Insekten für Dich eine echte Alternative darstellen.

Ist Insekten essen die Zukunft?

Aus unserer Sicht ist Insekten essen definitiv die Zukunft. Denn mit Blick auf den Klimawandel und gleichzeitig stetig wachsende Weltbevölkerung muss sich die Menschheit langsam etwas einfallen lassen – auch im Bereich der Lebensmittelversorgung. Insekten können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Denn Insekten sind nicht nur eine hervorragende Proteinquelle, sondern auch emissionsarm, ressourcenschonend und platzsparend.

Ist es gefährlich Insekten zu essen?

Handelt es sich um Insekten aus freier Wildbahn, so geht mit dem Verzehr ein gewisses Risiko einher. Schließlich weißt Du nie, wo sich das Insekt zuletzt aufgehalten hat oder was es zu sich genommen hat. Insekten beziehungsweise Produkte auf Insektenbasis, die Du im Protein Revolution Onlineshop kaufen kannst, stammen aus kontrollierter Aufzucht von Herstellern, die jeweils einer strengen Überwachung durch die Behörden unterliegen.

 

Wo kann man Insekten kaufen?

In einigen Ländern sind Straßenmärkte und lokale Anbieter eine beliebte Quelle für Insekten. In Deutschland kannst Du Insekten in einigen Supermärkten, Naturkostläden und vor allem in Online-Shops kaufen. So auch bei uns. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass die Insekten aus zuverlässigen Quellen stammen und hygienisch zubereitet werden. Darauf achten wir bei Protein Revolution bei der Auswahl unserer Hersteller.

Warum sollten wir Insekten essen?

Insekten stellen eine hervorragende Proteinquelle dar und können eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichem Fleisch darstellen. Sie benötigen weniger Ressourcen wie Wasser, Futter und Fläche als Nutztiere und produzieren weniger Treibhausgase. Insektenzucht ist somit ressourcenschonender und umweltfreundlicher als die Aufzucht von Nutztieren. Darüber hinaus sind Insekten auch reich an Ballaststoffen und essentiellen Nährstoffen wie Eisen und Zink. Insektenessen ist somit nicht nur nachhaltig, sondern auch gesund und kann eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Weltbevölkerung spielen.

Welche Insekten werden am häufigsten gegessen?

Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer und Käfer sind die am häufigsten verzehrten Insektenarten. Sie sind nicht nur reich an Nährstoffen, sondern haben auch einen milden Geschmack, der sich gut mit verschiedenen Gewürzen und Aromen kombinieren lässt. In vielen Ländern sind auch Termiten, Ameisen und Seidenraupenlarven beliebte Insekten zum Verzehr.

Wie schmecken Insekten?

Der Geschmack von Insekten variiert je nach Art und Zubereitungsart. Gebratene Heuschrecken haben beispielsweise einen nussigen Geschmack, während Grillen und Mehlwürmer eher erdig schmecken. Frittierte Käfer und Raupen haben hingegen eine knusprige Textur und können mit verschiedenen Gewürzen und Aromen verfeinert werden.

Wie werden Insekten zubereitet?

Insekten können gebraten, frittiert, gegrillt oder als Zutat in verschiedenen Gerichten verwendet werden. Gebratene Heuschrecken eignen sich beispielsweise als Snack, während Grillen und Mehlwürmer häufig als Zutat in Suppen oder Eintöpfen verwendet werden. Frittierte Käfer und Raupen können als knusprige Beilage oder in Salaten verwendet werden. Zudem lassen sich Insekten zu allerhand spannenden Produkten entwickeln. Etwa Insekten Chips, Insekten Protein Riegel oder Insekten Protein Pulver.

Sind Insekten gesund?

Insekten sind nicht nur reich an Protein, sondern auch an Ballaststoffen und essentiellen Nährstoffen wie Eisen und Zink. Sie enthalten außerdem gesunde Fette und haben im Vergleich zu Fleisch einen niedrigeren Gehalt an gesättigten Fettsäuren. Der Verzehr von Insekten kann somit zur Deckung des täglichen Proteinbedarfs beitragen und gleichzeitig eine gesunde Ernährung unterstützen.

Wie reagieren Menschen auf den Gedanken, Insekten zu essen?

Die Reaktionen auf den Gedanken, Insekten zu essen, variieren je nach Kultur und Region. In einigen Ländern sind Insekten seit Jahrhunderten ein Teil der traditionellen Küche, während sie in anderen Ländern als ungewöhnliche und unappetitliche Nahrungsmittel angesehen werden. Insgesamt nimmt jedoch das Interesse an Insekten als nachhaltige und gesunde Proteinquelle weltweit zu.

Gibt es ethische Bedenken beim Verzehr von Insekten?

Einige Menschen haben ethische Bedenken gegenüber dem Verzehr von Insekten, da sie der Ansicht sind, dass auch Insekten fühlende Lebewesen sind. Allerdings gibt es auch die Ansicht, dass die Zucht und der Verzehr von Insekten im Vergleich zur Viehzucht und dem Verzehr von Nutztieren ethischer ist, da sie weniger Ressourcen benötigen und weniger Tierleid verursachen. Letztendlich ist es wichtig, dass jeder seine eigene Meinung zu diesem Thema bildet und sich über die Vor- und Nachteile des Verzehrs von Insekten informiert.

zur Übersicht

Das könnte Dich interessieren: